Foto: Prof. Dr. med. Carsten Frank Perka

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitglieder der DGOOC,

es ist mir eine große Freude, Sie als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie im Jahr 2019 an dieser Stelle grüßen zu dürfen. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie Glück, Zufriedenheit, Gesundheit und persönlichen Erfolg.
Es ist zweifellos eine außerordentliche Ehre, unsere Fachgesellschaft als Präsident in diesem Jahr zu vertreten, eine Gesellschaft, die eine Vielzahl von Erfolgen zu verzeichnen hat, vor der jedoch auch neue Herausforderungen stehen.

Die Arbeit der letzten Jahre unserer Gesellschaft war durch eine Vielzahl großer, erfolgreich gestalteter Projekte gekennzeichnet. Hervorzuheben sind hier das EPRD (Endoprothesenregister Deutschland), welches trotz Freiwilligkeit der Teilnahme, exzellent funktioniert, was auch durch die Spitzenpolitiker unseres Landes so wahrgenommen wird. Im November 2018 wurde hier die 1-millionste Endoprothese registriert. Aktuell erfolgen hier intensive Gespräche mit dem Bundesgesundheitsministerium. Wir gehen gegenwärtig davon aus, dass dieses Register als „Blaupause“ für das Deutsche Implantatregister dienen wird. Die weltweit einmalige Verknüpfung von implantatbasierten Daten mit den Daten der Operationen in den Krankenhäusern und denen der Krankenkassen liefert eine fundierte Datenbasis, die deutlich über das hinaus geht, was in anderen Ländern heute in Registern ausgewertet werden kann.

Zu diskutieren ist dabei auch, inwiefern die Daten jedes einzelnen Krankenhauses oder gar wie in England die Daten jedes einzelnen Operateurs dargestellt und miteinander verglichen werden. Hierzu müssen wir uns gemeinsam einen Standpunkt erarbeiten.

Auch das zweite Großprojekt der DGOOC, die Qualitätsoffensive Endocert, ist keineswegs abgeschlossen. Auch hier gilt es, stets die Ergebnisse der aktuellen Literatur in die Bewertungsmaßstäbe von Qualität einfließen zu lassen. Insofern ist auch Endocert ein dynamisches System, wobei die Erfolge der vergangenen Jahre zweifellos belegen, dass wir ein Instrument etabliert wurde, welches wirksam die Qualität der endoprothetischen Versorgung in diesem Land verbessert hat.
Dennoch haben wir im Präsidium auch festgestellt, dass die thematische und personelle Fokussierung der letzten Jahre häufig als Folge politischer Diskussionen an das Thema Endoprothetik gebunden waren und andere Bereiche des Fachs und Aspekte dann nicht mehr in dem notwendigen Umfang diskutiert werden konnten. Als wesentliche Herausforderung meiner Präsidentschaft für das Jahr 2019 sehe ich daher, die Darstellung der Themen der Sektionen und der mit der DGOOC verbundenen Fachgesellschaften zu intensivieren. Bespielhaft genannt seien hier die DVSE, die AGA, die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG), die Vereinigung für Kinderorthopädie (VKO) und die DAF.

Die Größe des Fachs Orthopädie und Unfallchirurgie ist einerseits unsere Stärke, andererseits auch die Herausforderung der nächsten Jahre. Diese Herausforderung zu meistern, bedarf der Begeisterung und des Enthusiasmus am Mitwirken all unsere Mitglieder. Auch hier sehe ich in den nächsten Jahren dringenden Handlungsbedarf. Wir wollen die Diskussion mit Ihnen anstoßen, um noch besser ihre Interessen, Probleme und Herausforderungen zu kennen. Nur gemeinsam können wir diese meistern. Teilen Sie mir und den Mitgliedern des Vorstands Ihre Probleme und Fragen mit, auch die Mitgliederversammlung ist ein geeigneter Ort unsere Gesellschaft weiter zu entwickeln.

Zur Weiterentwicklung unseres gemeinsamen Fachs Orthopädie und Unfallchirurgie werden der DGU-Präsident Herr Prof. Paul Grützner aus Ludwigshafen und ich zusammen als DGOU-Präsidenten in enger Zusammenarbeit mit dem Präsidenten des BVOU, Herrn Dr. Johannes Flechtenmacher aus Karlsruhe die uns bewegenden Themen vorantreiben. Für mich persönlich ist dies insbesondere die Gestaltung der Inhalte der Facharztausbildung. Hier müssen die notwendigen Impulse an die Ärztekammern geliefert werden, damit in den nächsten Jahren die notwendigen Veränderungen auf den Weg gebracht werden können. Wir möchten an dieser Stelle mit Ihnen gemeinsam offene Fragen diskutieren. Dies betrifft zum einen den Umfang der Weiterbildungsinhalte im gemeinsamen Facharzt für O und U, andererseits aber auch die nachfolgenden Spezialisierungen. International ist die Entwicklung nach dem gemeinsamen Facharzt durch eine weit stärkere Spezialisierung (z. B. Wirbelsäulenchirurgie, Fußchirurgie, Endoprothetik, rekonstruktive Kniechirurgie, Schulter-/Ellenbogenchirurgie usw.) getragen. Hier werden wir gemeinsam zu diskutieren haben, ob wir diesem Trend folgen, oder aber, ob wir das bisherige Prinzip einer breiten, auf alle Bereiche der Orthopädie und Unfallchirurgie spezialisierten Ausbildung weiterverfolgen, da es insbesondere für die Versorgung in den nicht hochspezialisierten Zentren die Voraussetzungen für ein erfolgreiches orthopädisches Arbeiten über alle Felder des Fachgebiets hinweg schafft.

Höhepunkt des Jahres soll selbstverständlich unser Jahreskongress im Oktober werden. Das Motto des Kongresses „Wissen braucht Werte“ soll die Entwicklung der Medizin und natrülich insbesondere unseres Fachgebietes diskutieren. In einer Zeit, in der Entwicklungen immer schneller vorangehen, die Digitalisierung, der Datenschutz und insbesondere die Ökonomisierung der Medizin uns vor immer neue Aufgaben stellen, droht unsere eigentliche Aufgabe des Helfens und Heilens in den Hintergrund gedrängt zu werden. Hier wollen wir ansetzen und mit Ihnen gemeinsam Werte formulieren, mithilfe derer es uns in den nächsten Jahren gelingt, die neuen Entwicklungen der Gesundheitspolitik einerseits, aber auch dem wissenschaftlichen Fortschritt andererseits, entsprechend zu bewerten.
Die Herausforderung, weiterhin eine weltweit führende Spitzenmedizin, die rund um die Uhr zur Verfügung steht, unter den Bedingungen einer veränderten Work-Life-Balance der Mitarbeiter zu realisieren, wird uns weit über das Jahr 2019 hinaus beschäftigen.
In der Grundlagenforschung ist einerseits ein interdisziplinäres Zusammenarbeiten notwendig, was die Anbindung an eine einzelne Fachgesellschaft immer schwieriger macht, andererseits benötigt gerade die Grundlagenforschung unseres Fachs eine umfassende Unterstützung, um auf die Voraussetzungen der Ausschreibungen der großen Mittelgeber reagieren zu können. Hier werden wir mit Nachdruck versuchen, auch unsere Themen wieder stärker in den Fokus zu rücken. Ein konstantes und kontinuierliches Arbeiten wird somit für unsere Kollegen, die sich mit den Grundlagenwissenschaften beschäftigen, immer schwieriger. Dazu kommt, dass gerade in den universitären Strukturen, meist bedingt durch die niedrigeren Impaktfaktoren der orthopädisch-unfallchirurgischen Zeitschriften, unsere Forschung nicht den Stellenwert genießt, wie die aus anderen Fachgebieten.

Ich hoffe, es ist mir an dieser Stelle gelungen, eine Vielzahl der Herausforderungen, vor denen wir stehen, noch einmal darzustellen. Wir können diese nur gemeinsam meistern. Ich möchte Sie daher um eine intensive Mitarbeit in der Fachgesellschaft, den Sektionen, den Ärztekammern und den vielen anderen Stellen, an denen orthopädische Inhalte diskutiert und weiterentwickelt werden, bitten. Weitere Themen, wie die Personalgewinnung und insbesondere die Veränderung der Zusammensetzung der Teams in Kliniken und Praxen unter Berücksichtigung neuer Berufsbilder, wie des Physician Assistant oder des chirurgisch-technischen Assistenten, waren Gegenstand der Zukunftswerkstatt und werden ebenfalls die weitere Arbeit unserer Fachgesellschaft bestimmen.

Abschließend sei auf die Notwendigkeit der strukturierten Weiterbildung in unserem Fachgebiet hinzuweisen. Hierzu wird die Akademie eine entscheidende Rolle spielen.

O und U ist zweifellos eine starke Marke, dennoch können wir diese Position nur halten, wenn wir alle gemeinsam daran mitwirken, unser gemeinsames Fach in täglicher Arbeit in Wissenschaft und Forschung weiterzuentwickeln. Den Dank an die aktiven Mitglieder unserer Gesellschaft möchte ich deshalb verbinden mit der Bitte, viele von Ihnen für die Arbeit in den Gremien zu gewinnen. Wir müssen unsere internationale Sichtbarkeit stärken, auf den großen internationalen Kongressen wie z.B. der AAOS und der EFORT ist der deutsche Anteil seit Jahren unterdurchschnittlich und wird nicht der Bedeutung der deutschen Orthopädie gerecht. Internationaler Wettbewerb bedeutet harte wissenschaftliche und klinische Arbeit, der wir uns stellen müssen, um in der Diskussion mit der Politik unseres Landes, unsere Forderungen nachdrücklich untermauern zu können.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal für Ihr Vertrauen bedanken, welches Sie mir durch die Wahl zum Präsidenten 2019 entgegengebracht haben und Ihnen versichern, dass ich mich mit all meiner Kraft für die Weiterentwicklung unserer Fachgesellschaft zum Nutzen unserer Mitglieder und vor allem zum Wohle unserer Patienten einbringen werde.

Mit den herzlichsten Grüßen aus Berlin
Ihr
Carsten Perka

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