Foto: Prof. Dr. med. Dieter C. Wirtz

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitglieder der DGOOC,

meine Grußworte als Präsident 2020 hatte ich mit folgendem Satz begonnen:

„Es ist mir eine außerordentliche Ehre, die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie mit der jetzt 119-jährigen Geschichte und Tradition in 2020 als Präsident zu vertreten. Ich bedanke mich für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung, dieses Amt ausüben zu dürfen.“

Daran hat sich auch für 2021 nichts geändert. Ganz im Gegenteil. Das Amt noch ein Jahr länger ausführen zu dürfen, ist bisher einmalig. Ich bin mir dieser Ehre und der Aufgabenstellung sehr bewusst.

Das Jahr 2020 hat vieles verändert. Mit der Corona-Pandemie ist ein Ereignis eingetreten, das in seiner Wucht und in der Bandbreite seiner Wirkung bis vor einem Jahr unvorstellbar schien. Unser Vorstellungsvermögen wie auch unser Wertesystem hat sich verändert. Über viele Jahre hinweg hieß es: Krankenhäuser müssen sich vor allem rechnen. Die Covid-Krise hat aber jetzt vor allem gezeigt, dass die Bevorzugung betriebswirtschaftlicher Konzepte im Krankenhaus verheerende Auswirkungen haben kann. Es bleibt die Hoffnung, dass die pandemiebedingten Erkenntnisse über die Grenzen des ökonomischen Denkens auch nachhaltig zu einem fundamentalen Umdenken in der Gesundheitspolitik führen.

Und dies gilt auch und ganz besonders für die Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Während der Covid-Krise hat sich die Anzahl der Erkrankungen am Stütz- und Bewegungsapparat nicht geändert. Konservative Behandlungsmaßnahmen und sog. elektive Eingriffe konnten „verschoben“ werden; dies aber sicherlich nicht zeitlich unbegrenzt. Unter dem Brennglas der Pandemie hat sich gezeigt, dass gerade die Behandlung degenerativer Erkrankungen keine Luxusmedizin, kein „nice-to-have“ ist. Die Wiedererlangung einer schmerzfreien Mobilität ist ein hohes Gut in dieser Gesellschaft. Sie gehört wie die Notfallversorgung zur Daseinsfürsorge in einem sozialen Gesundheitssystem. Während und nach einer Pandemie.

Was sind nun die konkreten Frage- und Aufgabenstellungen in 2021?

  1. Auf- und Ausbau Versorgungs- und Registerforschung: Wir müssen klare Antworten geben auf die zum Teil unsachlich geführten öffentlichen Diskussionen über Mindestmengen und das Thema „Es wird zu viel operiert“. Versorgungsqualität muss man beweisen. Sektorenübergreifend. Deshalb wird die DGOOC konkrete Projekte zur risikoadjustierten Outcome-Analyse bei Wirbelsäulenerkrankungen und endoprothetischen Eingriffen angehen.
  2. Vertiefung von Qualitätsinitiativen (u.a. Endocert): Mit dem Endocert-System haben wir eine klare Definition geschaffen, welche Kompetenz notwendig ist, um qualitätszentrierte Endoprothetik durchzuführen. Es macht keinen Sinn, solche – gerade in der Wechselendoprothetik z.T. hochkomplexen - Eingriffe an jedem Standort durchzuführen; nur mit einer entsprechenden Klinikstruktur und einer spezialisierten operativen Erfahrung können wir die Revisions- und Versagensraten weiter senken. Deshalb müssen wir daran arbeiten, dass unsere Qualitätsinitiativen - wie Endocert - bei der politisch angestrebten Etablierung neuer Krankenhausstrukturen auch Berücksichtigung finden.
  3. „Weiterentwicklung“ EPRD: Das EPRD gehört zu den Leuchtturmprojekten der DGOOC. Dies hat auch die Politik erkannt und hat die Etablierung eines „Implantatregister Deutschland“ (IRD) gesetzlich beschlossen. Dabei ist man aber seitens des BMG nur an einer simplen Ergebnisbewertung (Endoprothese in situ oder ausgebaut) interessiert. Sowohl wir als auch die Kooperationspartner der Krankenkassen und der Implantathersteller wollen aber vor allem auch die „Performance“ der unterschiedlichen Prothesentypen und -versorgungsprinzipien messen. Wir müssen also unabhängig vom gesetzlich verankerten IRD neue Wege gehen, um die Wertigkeit des EPRD zu erhalten bzw. auszubauen.
  4. Etablierung Orthogeriatrie: Nicht nur die Zahl alterstraumatologischer Fälle steigt stetig, sondern auch die der geriatrisch-orthopädischen Fälle. 42 % aller Hüfterstimplantationen und 33 % aller Knieerstimplantationen, die im EPRD erfasst sind (Jahresbericht EPRD 2020), wurden bei Patienten im Alter von 
≥ 75 Jahren durchgeführt. Wir sind hier gut beraten, eng mit Geriatern zusammen zu arbeiten, um die spezifischen Problemfelder der älteren Patienten adäquat zu adressieren. Es bedarf hier klarer Behandlungs- und Strukturempfehlungen, wie wir in den Akutkliniken, aber auch im ambulanten Sektor damit umgehen. Wie Ende 2019 von DGOOC, DGU und DGOU beschlossen, soll auf Basis des bisherigen Weißbuches Alterstraumatologie bis Ende 2021 ein neues Weißbuch Alterstraumatologie und Orthogeriatrie gemeinsam mit der geriatrischen Fachgesellschaft (DGG) erstellt werden.
  5. Stärkung der konservativen Orthopädie: Mit der Neufassung der Zusatzbezeichnung für Orthopädische Rheumatologie haben wir die große Chance, konservative multimodale Behandlungsprinzipien am Stütz- und Bewegungsapparat als Spezialisierung gleichwertig zu operativen Zusatzbezeichnungen in unserem Fach auszuweisen. Damit diese Zusatzbezeichnung aber auch „gelebt“ werden kann, müssen wir in unseren Weiterbildungseinrichtungen entsprechende Strukturen schaffen, dass konservative Behandlungsprinzipien integraler Bestandteil werden. Bisher bildet sich diese im stationären DRG-System nicht adäquat ab. Eine Zusatzentgeltung wird es aber auch erst dann geben, wenn wir den Nutzen dieser konservativen Leistungen nachgewiesen haben. Es braucht also auch hier belastbare Outcome- und Versorgungsforschung (wie unter Punkt 1 aufgeführt).
  6. DKOU 2021: Pandemiebedingt ist unser vollständig vorbereiteter Kongress DKOU 2020 leider ausgefallen. Die Planungen für 2021 laufen zwischenzeitlich auf Hochtouren. Je nach den im Herbst gegebenen Möglichkeiten wird unser Kongress entweder in voller Präsenz oder in einer Hybridvariante stattfinden. Entsprechend dem Motto „Vereinte Vielfalt“ sind wir unabhängig von der möglichen Kongressform bestrebt, die ganze Breite und Tiefe des Faches abzubilden. Alle Sektionen und Gruppierungen sind herzlich eingeladen, sich aktiv zu beteiligen. Ich würde mich sehr freuen, Sie alle in Berlin vom 26.-29.10.2021 begrüßen zu dürfen.

Das Aufgabenbuch ist also gut gefüllt. Lassen Sie uns diese gemeinsam angehen. Ich bedanke mich nochmals für das mir entgegengebrachte Vertrauen für eine zweite Amtszeit und verbleibe mit den besten Wünschen für 2021.

Ihr
Prof. Dr. med. Dieter C. Wirtz
DGOOC-Präsident 2020 & 2021

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