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Die Zahl schwer verletzter und erkrankter Patienten hierzulande bleibt seit einigen Jahren stabil. Dennoch steigt die Patientenzahl in Notaufnahmen zunehmend. Dabei zeigt eine Hamburger Studie, dass über die Hälfte der Betroffenen ihre Beschwerden für nicht dringend halten. Dadurch sind die Wartezeiten für Patienten, die dringend auf die Hilfe in der Notfallambulanz angewiesen sind, oft viel zu lang. Die Notfallversorgung in Deutschland müsse daher schnellstens grundlegend reformiert werden, um diese Anlaufstellen zu entlasten, forderten Ärzte auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin. Die Experten begrüßen die Initiative des Bundesgesundheitsministeriums, die ambulante, stationäre und rettungsdienstliche Notfallversorgung zusammenzulegen, um die Patientenströme zu koordinieren. Die dafür zentrale Rufnummer 116117 des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes müsse hierfür aber noch bekannter werden. Überdies sei es unerlässlich, die Notfallversorgung fachübergreifend zu strukturieren und besser zu vergüten.

„Uns fehlt eine klare, für betreffende Patienten leicht zu verstehende Ordnung in der Notfallversorgung“, erklärt Prof. Dr. Paul Alfred Grützner, Kongresspräsident des DKOU 2019, Ärztlicher Direktor der BG Klinik Ludwigshafen und Direktor der dortigen Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. „Nicht einmal jeder dritte Patient kennt die Rufnummer 116117 des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes.“ Unter dieser Nummer können sich Betroffene zu jeder Zeit eine erste medizinische Einschätzung einholen.

Sie erhalten Tipps, wie sie sicher erkennen, ob sie sofort ins Krankenhaus sollten, sich an eine Notarztzentrale wenden sollten oder auch auf den nächsten Arzttermin warten können. „Kompetentes Personal muss die Erkrankten dorthin steuern, wo sie gut behandelt werden“, sagt Grützner weiter. So könne verhindert werden, dass viele Menschen unnötig in die Notfallambulanzen kommen. Bei schweren Verletzungen, Knochenbrüchen und Gelenkverrenkungen, aber auch akuten Bandscheibenvorfällen mit Lähmungserscheinungen müssen sich Patienten hingegen unbedingt sofort fachärztlich untersuchen lassen.

Grützner bedauert, dass die enge Bindung zwischen Hausärzten, ambulant tätigen Fachärzten und Patienten zunehmend verloren geht. So könnten Hausärzte heute nur noch selten eine ihrer wichtigen Aufgaben, der Lotsenfunktion im Gesundheitssystem, wahrnehmen – also entscheiden, ob der Patient sofort ins Krankenhaus muss. „Muskuloskelettale Erkrankungen und Verletzungen, die primär in Fachpraxen versorgt werden können, sollten während ambulanten Zeiten erfolgen und der fachärztliche Notdienst tatsächlichen Notfällen vorbehalten sein“, fordert auch Dr. Johannes Flechtenmacher, Präsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) und niedergelassener Orthopäde und Unfallchirurg. „Das neue TSVG stellt sicher, dass die Patienten sehr zeitnah – in der Regel am gleichen Tag – von den Ärztinnen und Ärzten im ambulanten Bereich gesehen werden können.

Weil die Hausärzte oft stark ausgelastet sind, sehen Patienten in der Notaufnahme oft auch eine Lösung dafür, schnell in ein gut ausgestattetes Versorgungszentrum zu gelangen. Damit umgehen sie lange Wartezeiten in den Arztpraxen. Doch die Folgen sind dramatisch: „Wir zahlen alleine in der Notfallambulanz unserer Klink jedes Jahr etwa fünf Millionen drauf“, weiß Grützner. Spezialisten, die sich für die Rettungsstelle verfügbar halten müssen, können immer weniger am darauffolgenden Tag für die alltägliche Stationsarbeit und für geplante Operationen eingesetzt werden. „Dadurch müssen immer mehr Eingriffe verschoben werden oder fallen ganz aus,“ ergänzt Prof. Dr. Carsten Perka, Kongresspräsident des DKOU 2019 und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskelettale Chirurgie an der Charité Berlin. Der Facharzt kritisiert, dass die hohen Vorhaltekosten für Experten in den Notaufnahmen zunehmend ansteigen. Patienten müssen immer längere Wartezeiten, beispielsweise für ihre Hüft- oder Knie-Operation, in Kauf nehmen. „Sie sind frustriert, weil sie länger mit ihren Beschwerden leben müssen“, resümiert Perka.

Und: Die problematischen Arbeitsbedingungen machen es immer schwieriger, Ärzte zu finden, die bereit sind, unter diesen Bedingungen im Bereitschaftsdienst zu arbeiten. „Wir verlieren in den Kliniken die besten Köpfe, weil niemand mehr diese Dienste machen möchte. Dabei gehen uns auch wichtige Wissenschaftler verloren“, sagt Perka. Insbesondere die Orthopädie und Unfallchirurgie treffe dies hart. Denn etwa sieben von zehn Notfallpatienten seien diesem Fach zuzuordnen. Umso wichtiger sei es, dass Fachärzte aus O und U ein fester Bestandteil in Notaufnahmen seien, was derzeit noch nicht überall gewährleistet sei.

Damit künftig eine umfassende und qualitativ hochwertige Patientenversorgung sichergestellt werden kann, sprechen sich die DKOU-Experten für eine kooperierende Versorgung aller beteiligten Fachdisziplinen und Professionen in allen Sektoren der Notfallversorgung aus. „Ziel muss eine integrative Versorgung sein. Sie sollte in der Präklinik – in Kooperation mit dem Rettungsdienst – beginnen und über die Behandlung in der Zentralen Notaufnahme, einer sich anschließenden stationären Behandlung, beziehungsweise ambulanten Weiterbehandlung, bis hin zur Rehabilitation fortgesetzt werden“, sagt Grützner. Bereits bekannte und sehr gut frequentierte Anlaufstellen müssten darüber hinaus personell besser ausgestattet, und die Notfallrettung angemessen vergütet werden.

Weiterführende Informationen:

Links:
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Pressekonferenz vom 22.10.2019
Teil 1 (YouTube)
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Pressekonferenz vom 23.10.2019
Teil 1 (YouTube)
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Kontakt:
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Anne-Katrin Döbler, Dr. Adelheid Liebendörfer, Christina Seddig, Heinke Schöffmann
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Tel.: 0711 – 8931-173
Fax: 0711 – 8931-167

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