Pressemitteilung zur Verkehrsunfallstatistik:

pm verkehrsunfallstatistik© Andrey Popov/FotoliaDie Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sieht die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Verkehrsunfallstatistik 2015 mit Sorge: 3.459 Menschen wurden im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen getötet. Im Vergleich zum Vorjahr (3.377) ist das ein Anstieg um 2,4 Prozent. Damit ist die Anzahl der Unfalltoten zum zweiten Mal in Folge gestiegen. Zuvor war die Zahl der tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmer mit wenigen Ausnahmen über drei Jahrzehnte kontinuierlich gesunken. „Diese Bilanz zeigt, dass sinkende Unfallzahlen kein Selbstläufer sind und sämtliche Anstrengungen zur Unfallprävention nicht nachlassen dürfen“, sagt DGOU-Generalsekretär Prof. Dr. Reinhard Hoffmann. Viele Unfälle gehen laut Unfallexperten auf Handy-Nutzung und Alkohol am Steuer zurück. Hier sieht die DGOU Handlungsbedarf und rät zu einer konsequenten „Handy-Diät“ im Straßenverkehr sowie Einhaltung der Null-Promille-Grenze.

„Wer bei Tempo 50 nur fünf Sekunden mit dem Handy beschäftigt ist, befindet sich mit seinem Auto 70 Meter im Blindflug“, warnt Hoffmann. Der Griff zum Handy steigert die Unfallgefahr etwa um das Fünffache, das Lesen und Schreiben von Nachrichten sogar um das Zehnfache. „Es ist lebensgefährlich, während der Fahrt mit dem Smartphone zu hantieren. Das muss jedem Autofahrer bewusst sein“, betont Hoffmann. Angesichts des hohen Unfallrisikos zeige die aktuelle Bußgeldhöhe von 60 Euro für Autofahrer inklusive einem Punkteeintrag im Fahreignungsregister (FAER) in Flensburg beziehungsweise 25 Euro für Fahrradfahrer offensichtlich keine ausreichende Abschreckungswirkung.

Zu den Hauptursachen schwerer und tödlicher Verkehrsunfälle gehört laut der Experten nach wie vor das Fahren unter Alkoholeinfluss. 256 Menschen sind im vergangenen Jahr bei Alkoholunfällen ums Leben gekommen. In Deutschland begehen Autofahrer erst ab 0,5 Promille eine Ordnungswidrigkeit, ab 1,1 Promille eine Straftat. Für Fahrradfahrer gilt im Straßenverkehr ein Alkoholgrenzwert von 1,6 Promille. Dabei können bereits geringste Promillewerte das Seh- und Reaktionsvermögen sowie die Fahrtüchtigkeit gravierend einschränken, sagen Unfallchirurgen. „Ausfallerscheinungen können bereits bei niedrigeren Blutalkoholwerten auftreten. Autofahrer können Entfernungen anderer Verkehrsteilnehmer und Geschwindigkeiten oft gar nicht mehr realistisch einschätzen“, erklärt Dr. Christopher Spering, Sektionsleiter Prävention der DGOU. Aus seiner täglichen Arbeit am Traumazentrum des Universitätsklinikums Göttingen weiß der Unfallchirurg, dass die Rettung und Behandlung schwerverletzter Unfallopfer oftmals ein Wettlauf gegen die Zeit ist. „Im Sinne der Vision Zero ist angesichts der hohen Zahl der Unfallopfer die Einführung eines konsequenten Alkoholverbots sowohl am Steuer als auch auf dem Rad daher nur logisch“, unterstreicht Hoffmann die Notwendigkeit einer unmissverständlichen Null-Promille-Grenze in Deutschland.

Neue Herausforderungen für die Verkehrssicherheitsarbeit sieht die DGOU in der Zukunft auch im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel und dem zunehmenden Wunsch nach Mobilität im Alter. Denn: Kommt es zu einem Verkehrsunfall, erleiden ältere Menschen häufig deutlich schwerere Unfallfolgen, so die Erfahrung der Orthopäden und Unfallchirurgen. Zahlen aus dem TraumaRegister DGU® zum demografischen Wandel zeigen: 3 Prozent aller schwerverletzten Motorradfahrer sind älter als 70 Jahre. Auch wenn sie lebend die Klinik erreichen, steigt das Risiko an den Unfallfolgen zu versterben, mit zunehmendem Alter bis auf das Vierfache bei älteren schwerverletzten Motorradfahrern.

Laut Bundesagentur für Straßenwesen waren 10 Prozent der verunglückten Pkw-Insassen in den vergangenen beiden Jahren mindestens 65 Jahre alt – knapp 30 Prozent dieser Altersgruppe erlitt bei Unfällen tödliche Verletzungen. Allerdings wurden nur 10 Prozent aller Unfälle durch Pkw-Fahrer in dieser Altersgruppe auch tatsächlich verursacht. Gemeinsames Ziel müsse es sein, die Zahl der Unfallopfer über alle Altersgruppen hinweg deutlich zu reduzieren, so der Appell der DGOU. Auf dem Gebiet der Verkehrsunfallprävention engagiert sich die Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) bereits mit dem Aufklärungsprogramm P.A.R.T.Y, das sich speziell an jugendliche Verkehrsteilnehmer im Alter von 15 bis 18 Jahren richtet. Einen wichtigen Beitrag zur Unfallverhütung können nach Meinung der DGOU ebenso praxisorientierte Beratung und Aufklärung über altersbedingte Risiken im Straßenverkehr, medizinische Angebote zu freiwilligen Gesundheits-Checks für ältere Verkehrsteilnehmer sowie innovative Pkw-Ausstattungen mit modernen Fahrer-Assistenzsystemen leisten.

Hintergrund: Jährlich erleiden in Deutschland ca. 33.000 Menschen schwere Verletzungen bei Verkehrs-, Arbeits- oder Freizeitunfällen. Ihre Rettung und Behandlung ist ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem jeder Handgriff sitzen muss. Im Jahr 2006 schrieben Unfallchirurgen die optimalen Bedingungen für die Versorgung von Schwerverletzten im Weißbuch Schwerverletztenversorgung fest und gründeten die Initiative TraumaNetzwerk DGU® (TNW). Ziel ist es, jedem Schwerverletzten an jedem Ort zu jeder Zeit bestmögliche Überlebenschancen unter standardisierten Qualitätsmaßstäben zu bieten und auch außerhalb der Ballungszentren eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Rund 600 Traumazentren erfüllen die Qualitätsvorgaben der DGU und sind in 51 zertifizierten TraumaNetzwerken zusammengeschlossen. Mit der Einführung der Initiative TraumaNetzwerk DGU® der DGU konnte die Sterblichkeit von Schwerverletzten, die in der Klinik behandelt wurden, in den letzten 20 Jahren von 20 Prozent auf annähernd 10 Prozent gesenkt werden.

Referenzen:
1) Statistisches Bundesamt (Destatis)
www.destatis.de

Weiterführende Informationen

Downloads:
PM Verkehrsunfallstatsitik 2015

Ansprechpartner:
Susanne Herda und Stefanie Becker
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
Straße des 17. Juni 106-108
10623 Berlin
Telefon: 030 – 340 60 36-06 oder -16
Telefax: 030 – 340 60 36 01
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