Arzt, Patient, Wirbelsäule

Verletzen sich ältere Menschen an der Wirbelsäule, erfordert das andere Behandlungsstrategien als bei jungen Patienten. Der Grund: Häufig liegt bei Senioren eine Osteoporose vor, bei der die Knochen an Festigkeit verlieren und leichter brechen. Daher können Mediziner gängige Therapiekonzepte nicht einfach auf betagte Osteoporose-Patienten mit weiteren Alterserkrankungen übertragen. Doch wie können osteoporotische Wirbelkörperfrakturen am besten behandelt werden – konservativ genauso wie operativ? Die Sektion Wirbelsäule der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat nun Behandlungsempfehlungen erarbeitet. Sie sind jetzt im Fachmagazin „Der Orthopäde“ erschienen.

„Prinzipiell kann die Mehrheit der osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen erfolgreich konservativ behandelt werden“, sagt Dr. Andreas Korge, Leiter der DGOU-Sektion Wirbelsäule. Wenn aber beispielsweise Nervenfunktionen geschädigt sind, anhaltend starke Schmerzen, zunehmende Fehlstellungen oder weitere Brüche auftreten, käme auch ein operativer Eingriff in Frage, erläutert der Wirbelsäulen-Spezialist. Doch welches Verfahren eignet sich wann am besten? Um hierzu Empfehlungen zu erarbeiten, hat die Arbeitsgemeinschaft Osteoporotische Frakturen der DGOU-Sektion Wirbelsäule unter der Leitung von Dr. Klaus Schnake zunächst eine Klassifikation zur Einteilung verschiedener Frakturen entwickelt. In einem zweiten Schritt wurde ein Score erstellt, der die Entscheidung zwischen nicht-operativen und operativen Maßnahmen erleichtert. Schließlich haben die Experten anhand einer prospektiven klinischen Kohortenstudie konkrete Empfehlungen zur Behandlung für jeden Frakturtyp erarbeitet.

Score gibt Hilfestellung: Konservativ oder operativ behandeln?
Im Mittelpunkt der Behandlungsempfehlungen steht ein eigens entwickelter Score, der die Ärzte bei der Entscheidung zwischen nicht-operativem und operativem Vorgehen unterstützt. Dazu werden neben der Knochendichte beispielsweise morphoplogische und neurologische Merkmale sowie der allgemeine Gesundheitszustand und das Schmerz- und Mobilisationsniveau des Patienten systematisch erfasst und gewichtet. Bildgebende Verfahren sollten dabei standardmäßig zur fortlaufenden Diagnostik eingesetzt werden. Ergibt sich ein Score von 5 Punkten oder weniger, werden zunächst grundsätzlich nicht-operative Maßnahmen zur Behandlung der Wirbelkörperfraktur empfohlen. Bei einem höheren Score sollte auch die Möglichkeit einer Operation erwogen werden.

5 Prinzipien einer nicht-operativen Therapie
Allgemein akzeptiert sind diese 5 Strategien für eine konservative Behandlung von Patienten mit Osteoporose, die sich einen Bruch im Bereich der Wirbelsäule zugezogen haben:

  • Die anfängliche Bettruhe sollte so kurz wie möglich gehalten werden.
  • Medikamente zur Schmerzlinderung sollten immer mit Blick auf weitere Erkrankungen des Patienten sowie weitere verabreichte Arzneimittel gegeben werden.
  • Eine begleitende Physiotherapie ist unverzichtbar zur Stärkung und Stabilisierung der Rumpfmuskulatur. Sie sollte auch während einer anschließenden Rehabilitation fortgesetzt werden. Daneben werden auch rückenschulende Maßnahmen sowie lokale physikalische Therapien empfohlen.
  • Orthesen, die optional eingesetzt werden können, um den Rumpf aufzurichten und Drehbewegungen zu reduzieren, unterstützen den Heilungsprozess ebenfalls.
  • Die Osteoporose als Systemerkrankung muss behandelt werden. Dafür werden je nach Ursache und Ernährungssituation Vitamin D, Calcium und spezielle Osteoporose-Medikamente verordnet.

Strategien zur operativen Behandlung
Die Behandlungsempfehlungen weisen zudem darauf hin, dass es das oberste Ziel von operativen Eingriffen sein müsse, die individuelle, altersspezifische Stabilität und körperliche Belastungsfähigkeit der Wirbelsäule des Patienten wiederherzustellen. „Der Erhalt möglichst vieler Bewegungssegmente ist eher zweitrangig, die Rekonstruktion eines anatomisch korrekten Wirbelsäulenprofils zudem oft nicht notwendig“, sagt Spezialist Dr. Korge. Mediziner müssten darüber hinaus die verminderte Knochendichte auch bei der Auswahl von Instrumenten, Materialien und OP-Techniken berücksichtigen. Die Empfehlungen legen daher beispielsweise den Einsatz von Kochenzement und speziellen Schraubendesigns mit erhöhtem Halt in strukturschwachen Knochen nahe.

Welche Empfehlungen die DGOU-Sektion Wirbelsäule zur Behandlung der verschiedenen Typen von Verletzungen der Wirbelsäule bei Osteoporose-Patienten im Einzelnen gibt, ist im Artikel „Nichtoperative und operative Behandlung der osteoporotischen Wirbelkörperfraktur“ nachzulesen.

Quellen:
T. R. Blattert, K. J. Schnake, O. Gonschorek et al. Nichtoperative und operative Behandlung der osteoporotischen Wirbelkörperfraktur. Empfehlungen der Sektion Wirbelsäule der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Der Orthopäde. Springer Medizin. First online: 20.12.2018. doi.org/10.1007/s00132-018-03666-6.
K. J. Schnake, P. Bula, U. J. Spiegl et al. Thorakolumbale Wirbelsäulenfrakturen beim alten Menschen: Klassifikation und Therapie. Der Unfallchirurg. 2017, 120(12), 1071-1085.

Weiterführende Informationen:

Die anfängliche Bettruhe sollte so kurz wie möglich gehalten werden.
Medikamente zur Schmerzlinderung sollten immer mit Blick auf weitere Erkrankungen des Patienten sowie weitere verabreichte Arzneimittel gegeben werden.
Eine begleitende Physiotherapie ist unverzichtbar zur Stärkung und Stabilisierung der Rumpfmuskulatur. Sie sollte auch während einer anschließenden Rehabilitation fortgesetzt werden. Daneben werden auch rückenschulende Maßnahmen sowie lokale physikalische Therapien empfohlen.
Orthesen, die optional eingesetzt werden können, um den Rumpf aufzurichten und Drehbewegungen zu reduzieren, unterstützen den Heilungsprozess ebenfalls.
Die Osteoporose als Systemerkrankung muss behandelt werden. Dafür werden je nach Ursache und Ernährungssituation Vitamin D, Calcium und spezielle Osteoporose-Medikamente verordnet.
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