Bild: Operation an Wirbelsäule

Viele Aspekte zur Versorgung von Patienten mit Knochen- und Weichteilinfektionen sind bislang nicht ausreichend beleuchtet. Das zeigt eine wissenschaftliche Umfrage der Sektion Knochen- und Weichteilinfektionen der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), die jetzt in der Fachpublikation „Der Unfallchirurg“ erschienen ist. Für die Autoren der Studie deuten die Ergebnisse unter anderem darauf hin, dass dringend Leitlinien und Behandlungspfade zum Umgang mit muskuloskelettalen Infektionen erarbeitet werden sollten.

Im klinischen Alltag der Orthopädie und Unfallchirurgie sind Infektionen eine Herausforderung: Sie beeinträchtigen die Lebensqualität der betroffenen Patienten und belasten zudem die medizinischen und finanziellen Ressourcen des Gesundheitswesens. Aus diesen Gründen kommt der Qualität und Sicherheit bei der Versorgung von Patienten mit Knochen- und Weichteilinfektionen eine wichtige Rolle zu. Ziel der DGOU-Umfrage war es daher zum einen, den Bedarf zu ermitteln, der für die fachspezifische Behandlung von muskuloskelettalen Infektionen an deutschen Kliniken mit orthopädischen und unfallchirurgischen Abteilungen besteht. Zum anderen sollte der Status quo der personellen und strukturellen Ausstattung der Krankenhäuser untersucht werden.

An der Umfrage haben Orthopäden und Unfallchirurgen zu je etwa einem Drittel aus Einrichtungen der Grund-, Regional- oder Maximalversorgung teilgenommen. Das sind einige Ergebnisse der Untersuchung:

  • Etwa 15 Prozent der Kliniken haben eine Spezialabteilung für Knochen- und Weichteilinfektionen, in fast zwei Dritteln der Einrichtungen gibt es separate septische OP-Säle. Den Autoren zufolge deute das auf einen entsprechenden Versorgungsbedarf hin.
  • Dass in zwei Dritteln der befragten Häuser ein Anitbiotic Stewardship (ABS) etabliert ist, ließe zudem darauf schließen, dass eine rationale infektiologische Betreuung betroffener Patienten weitgehend Einzug in die Versorgung gehalten hat.
  • In den befragten Einrichtungen mit mehr als 600 Betten sind etwa 3,5 Ärzte im Bereich des Infektionsschutzes tätig, beispielsweise als Fachärzte mit der Zusatzweiterbildung Krankenhaushygiene, als Krankenhaushygieniker oder als hygienebeauftragte Ärzte.
  • Knapp ein Drittel der Kliniken haben ein eigenes Labor zur mikrobiologischen Diagnostik, in den Häusern mit mehr als 1.000 Betten sind es 75 Prozent.
  • Zur Erhöhung der Patientensicherheit und zur Optimierung von Klinikprozessen nutzen jeweils ungefähr 85 Prozent der befragten Krankenhäuser regelmäßige Komplikationsbesprechungen sowie das Meldesystem CIRS (Critical Incident Reporting System). Zwei Drittel analysieren und dokumentieren Komplikationen zudem fallbezogen.

„Um Patienten mit muskuloskelettalen Infektionen versorgen zu können, sind neben einer effektiven Prävention und einheitlichen Behandlungsstrategien auch bessere strukturelle und personelle Ausstattungen notwendig“, sagt Dr. Matthias Militz, der Erstautor der Publikation ist. Zudem müsse bei der weiteren wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas ein Umdenken stattfinden, ergänzt Prof. Dr. Andreas Tiemann, Leiter der DGOU-Sektion Knochen- und Weichteilinfektionen und Letztautor der Studie. „Nicht jede postoperative Infektion kann als Komplikation gewertet werden und sollte wertneutral als eigene Krankheitsentität stehen.“ Die Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie fordern daher, die Behandlung von Knochen- und Weichteilinfektionen in die Hand von Spezialisten zu legen.

Die Umfrage der DGOU zur Hygienesituation bei der Versorgung von Knochen- und Weichteilinfektionen in Deutschland ist in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) entstanden.

Publikation:
M. Militz, W. Popp, R. Hoffmann, R. Ascherl, A. Tiemann. Septische Chirurgie in OuU – ein Schlaglicht. Unfallchirurg (2017) 120:262-268. doi: 10.1007/s00113-017-0311-8.

Weitere Informationen:

Links:
DGOU-Sektion Knochen- und Weichteilinfektionen
Wissenschaftliche Umfragen der DGOU

Kontakt:
Dr. Matthias Militz
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