Junge Menschen an der Werkbank

Nachwuchs fördern
„Wir wollen Sie begeistern für dieses Fach“, sagt Kongresspräsident Prof. Dr. Michael J. Raschke zum Tag der Studierenden. Zum zwölften Mal ist dieser ein fester Bestandteil des Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU). Die Teilnehmenden, pandemiebedingt in diesem Jahr nur 40 statt der üblichen 100, erwartet ein vielseitiges Programm mit wissenschaftlichen Sitzungen, Tutoren- und Mentorengesprächen sowie praktischen Übungen im Osteosynthesekurs. Vielseitigkeit, praktische Arbeit mit den Händen und schnell sichtbare Ergebnisse sind schließlich eine Besonderheit von O und U, erklärt Dr. Annika Hättich, Leitung des Jungen Forums, in der Begrüßungsveranstaltung. „Das macht unglaublich viel Spaß, und genau diesen Spaß wollen wir euch heute vermitteln.“

Wer sich für ein Stipendium für den Tag der Studierenden qualifiziert ist hochmotiviert, betont Dr. Tobias Dorn, Oberarzt am Gelenkzentrum Schwarzwald. Bereits zum sechsten Mal ist er als Mentor beim Kurs AO Spezial tätig. Die sieben Studierenden im Raum sind noch mittendrin im praktischen Teil des Osteosynthesekurses: Sie sägen, bohren und schrauben am Knochenmodell. Plattenosteosynthese steht auf dem Programm, der richtige Winkel für die Schraube muss beachtet werden. Neben Kraft sei hier vor allem viel Gefühl erforderlich, sagt Dorn.

Teilnehmerin Elisabeth Frost gefällt dieses anschauliche Learning by Doing. Die Studentin im 7. Semester wünscht sich mehr solcher Skills-Lab-Kurse in der universitären Ausbildung als Angebot für Interessierte. Eine zukünftige Tätigkeit in der Unfallchirurgie kann sie sich durchaus vorstellen. Auch Leonie Bartsch, die bereits kurz vor Studienende steht, möchte in O und U tätig werden; erste Erfahrungen in diese Richtung konnte sie bereits sammeln. Ihr gefällt die praktische Arbeit und dass sie in der Unfallchirurgie Schwerverletzte wieder zu guter Funktion bringen kann. Beide Studentinnen gehören zur Gruppe von Tutorin Dr. Christina Plugge, Assistenzärztin am Städtischen Klinikum Solingen und stellvertretende Leitung der Sektion Nachwuchsförderung des Jungen Forum. Sechs Tutoren und Tutorinnen führen Gruppen von jeweils etwa sieben Studenten durch das Programm und stehen für alle Fragen zur Verfügung.

Für die Gruppe um Plugge folgt auf den Osteosynthesekurs das Mentorengespräch mit Prof. Dr. Bergita Ganse, Professorin für Innovative Implantatentwicklung, Universität des Saarlandes. Die Studierenden interessieren sich unter anderem für die verschiedenen Ausbildungsstationen, die richtige Bewerbung und Klinikwahl, aber auch für Geschlechtergerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Man müsse nicht immer den gradlinigsten Weg nehmen, findet Plugge. Die Klinik zu wechseln, wenn man das Gefühl habe, woanders besser weiterzukommen und mehr zu lernen, sei durchaus probat. Das gelte auch für Frauen, die im Arbeitsalltag oft unter ihren Möglichkeiten eingesetzt würden. Rotieren und Wechseln findet auch Ganse sehr wichtig. Auch Auslandsaufenthalte, zum Beispiel als Auslandsjahr oder über Fellowships, sollte man einplanen, um so verschiedene Arbeitskulturen kennenzulernen. Sie empfiehlt, stets offen für Neues zu sein und dabei das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. In der Ausbildung wie im Berufsalltag seien Anpassungsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen unbedingt erforderlich. Zu guter Letzt sollten die Studierenden auch Forschung und Lehre als interessante und abwechslungsreiche Tätigkeitsfelder auf dem Schirm haben. – Und wenn man den ersehnten Job nicht bekommt? Abwarten und den Leerlauf für Fortbildungen und OP-Kurse oder auch Stipendien nutzen, resümiert Plugge, fügt aber hinzu, dass die Bewerbungssituation für Berufsanfänger heute viel besser ist als früher.

Mit vielen Denkanregungen gehen die Studierenden in die Mittagspause, bevor am Nachmittag ein Orthesenworkshop ansteht. Danach besucht die Gruppe eine wissenschaftliche Sitzung mit anschließender Diskussion. Den Abschluss bilden der Besuch des Science Slam und ein gemeinsames Abendessen als Ersatz für die Rookie Night, die pandemiebedingt in diesem Jahr ausfallen muss. Doch der DKOU ist damit auch für die Studierenden nicht vorbei. Leonie Bartsch möchte an allen vier Kongresstagen teilnehmen, am Vortag hat sie bereits einige Sitzungen besucht. Der DKOU und der Tag der Studierenden sind für sie „ein guter Weg zum Reinschauen, Leute kennenlernen und Kontakte knüpfen“.

Und so drückt Kongresspräsident Prof. Dr. Dieter C. Wirtz bereits in der Begrüßung die Hoffnung aus, die 40 Teilnehmenden auch 2022 wiederzusehen: „Wir freuen uns natürlich sehr, wenn Sie Begeisterung für das Fach und für den DKOU im nächsten Jahr mitbringen.“

Autorinnen: Susanne Hainz, Ulrike Henkys

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