Der Bundesrat entscheidet heute über die offizielle Zulassung von Electro-Scootern als neues Mobilitätsangebot im Straßenverkehr. Die neue Verordnung wurde im Vorfeld intensiv diskutiert, denn ursprünglich sah sie das Fahren auf Gehwegen mit bis zu 12 km/h vor. Dafür gab es massiven Gegenwind aus den Ländern. Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir sah darin ein „Konjunkturprogramm für Unfallchirurgen“. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ging auf die Warnungen ein und entfernte das Fahren auf Gehwegen mit Schrittgeschwindigkeit aus der geplanten Verordnung. Doch auch für die nun vorgesehene Nutzung der kleinen Flitzer auf Radwegen und auf der Straße haben Orthopäden und Unfallchirurgen große Bedenken.

Dass ihr Sachverstand im Genehmigungsverfahren nicht einbezogen wurde, kritisiert Prof. Dr. Dietmar Pennig, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). „Zur Folgeabschätzung ist die Beurteilung durch die Unfallchirurgie sinnvoll und notwendig. Wir haben eine etablierte Unfallforschung. Durch unser seit 25 Jahren bestehendes Traumaregister können wir auf eine große Zahl auswertbarer Datensätze zu Unfällen zurückgreifen. Das ist eine wichtige Informationsquelle und Grundlage für Entscheidungen im Rahmen von Genehmigungsverfahren von Fahrzeugen.“

Täglich müssen die Mediziner verunfallte Verkehrsteilnehmer versorgen. Sie kennen dabei die verschiedenen Unfallursachen: mangelnde Rücksichtnahme und fehlende Aufmerksamkeit gehören dazu. Sie befürchten, dass E-Scooter-Fahrer noch schwerer als Radfahrer oder Fußgänger als vollwertige Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden. Sie seien besonders gefährdet, da sie keine Knautschzone besäßen, wie es etwa bei Autofahrern der Fall sei. Daher raten Orthopäden und Unfallchirurgen dringend dazu, einen Helm auf den elektrisch unterstützten Fahrzeugen zu tragen – auch wenn es keine Helmpflicht dafür gibt. Denn das Verletzungsrisiko bei den fahrradähnlichen Geschwindigkeiten sei hoch.

In einem aktuellen Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung macht Oberarzt Dr. Christopher Spering auf die Unfallfolgen aufmerksam: "Wir haben an der Klinik für Unfallchirurgie in Göttingen allein in den letzten vier Wochen zwei schwer verletzte E-Rollerfahrer behandelt. Beide hatten nicht nur ein Schädel-Hirn-Trauma, sondern Verrenkungsbrüche im Bereich der Sprunggelenke. Die Trittbretter der Roller sind tief, sodass sich bei Stürzen der Fuß schnell darunter verfängt.“

Spering weist auf das Gefahrenpotenzial der elektrischen Tretroller hin und sagt: „Andere Verkehrsteilnehmer können sich nur extrem schwer darauf einstellen. Das Anzeigen von Richtungswechseln etwa sei fast unmöglich.“ Auch das Herannahen der neuen Verkehrsteilnehmergruppe könne man nicht hören. Das provoziere Unfälle.
Für unfallfreie Fahrten raten die Experten zu erhöhter gegenseitiger Rücksicht, wenn sich E-Scooter-Fahrer zukünftig Straßen und Radwege mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen müssen.

Quelle: DGOU-Website

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