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Sonnenblumen Glückwunsch

Der noch junge, damals bereits mit dem renommierten Heine-Preis ausgezeichnete Schüler und leitende Oberarzt von Prof. Dr. A. N. Witt in Berlin, folgte 1964 dem Ruf ins Saarland nach Homburg – als damals jüngster orthopädischer Ordinarius der Bundesrepublik. Hier lehrte und wirkte er – segensreich für seine Schüler, für die Patienten und das Saarland bis zu seiner Emeritierung 1996. In dieser Zeit gelang ihm mit Geschick und Beharrlichkeit:

 

  • die Aufrüstung der Orthopädischen Universitätsklinik auf hohem diagnostischem und therapeutischem Niveau,
  • die Entwicklung und Förderung einer optimalen orthopädischen Versorgung der Bevölkerung im Saarland und angrenzenden Pfalz,
  • die Schaffung einer eigenen biomechanischen Forschungs- und Entwicklungsabteilung,
  • die internationale Aufwertung des saarländischen Lehrstuhls für Orthopädie und der Klinik als Ausbildungszentrum für orthopädische Fachärzte.

Er widmete sich von Anfang an der Prävention der Hüftarthrose mit möglichst früher klinischer und radiologischer Kontrolle der Hüftdysplasie im Säuglingsalter, konservativer Spreizbehandlung oder auch notwendigen operativen Korrekturen. Dabei nutzte er eine eigene Autokompressionswinkelplatte und strahlensparende OP-Technik, heute weitgehend ersetzt durch frühzeitige sonographisch kontrollierte funktionelle Behandlung, z. B. mit der Spreizhose nach Becker/ Mittelmeier. Der Arthroseprävention dienten auch Achs- und Längendifferenzkorrekturen mittels Epiphysiodese oder Osteotomie. Überhaupt widmete er sich später mit dem Autokompressionsprinzip der stabilen Osteosynthese nach Traumen oder Osteotomien.

Dann folgten vor allem seine Entwicklungen der zementfreien Implantation, Schraubpfanne, Einführung der Keramik in die Hüftendoprothetik und die erfolgreichen Normierungsbestrebungen. Dies alles verbesserte die Haltbarkeit und „Standzeiten“ der Prothesen, verringerte den Abrieb und revolutionierte die OP-Indikation auch für jüngere Patienten.
Neben Hilfsmitteln entwickelte er OP-Instrumentarien, Implantate, Knochenersatzmaterialien – eine ganz neue enge Verknüpfung der orthopädischen Chirurgie mit der Produktherstellung. Er förderte aber auch die konservative Orthopädie, z. B. durch Gründung einer KG-Schule, mit Etablierung der Rehabilitation und Schaffung von Lehraufträgen für Chirotherapie und für Physikalische und Rehabilitative Medizin.

Anlässlich seiner Berufung nach Berlin als Nachfolger seines Lehrers Prof. A. N. Witt, hatte sich schon 1968 der Ministerpräsident des Saarlandes, Dr. F. J. Röder persönlich eingesetzt und sein Verbleiben im Saarland mit erfolgreichen Rufabwehrverhandlungen bewirkt. Dies führte zur Weiterentwicklung der Orthopädischen Universitätsklinik Homburg und in Abhängigkeit davon der Orthopädie im ganzen Saarland: Neubau einer Poliklinik, eines Wissenschaftsgebäudes mit Direktionstrakt, Hör- und Kurssaal, Archiv und Laboratorien zur Grundlagenforschung, vor allem auf dem Gebiet der Biomechanik, experimentellen Histopathologie und Zellforschung.

So hat er in 32 Jahren seiner Tätigkeit an der Orthopädischen Universitätsklinik Homburg/ Saar ca. 6000 Studenten in der Orthopädie unterrichtet, an der Schule für Physiotherapie, die aktuell ihr 50-jähriges Bestehen feiert, etwa 800 Physiotherapeutinnen und -therapeuten ausgebildet sowie 90 Fachärzte für Orthopädie, unter ihnen 23 Chefärzte und 3 Lehrstuhlinhaber, 2 im Ausland. Es erfolgten 90 Promotionen und 16 Habilitationen.
Sein eigenes literarisches Werk ist groß, über 300 wissenschaftliche Veröffentlichungen, Monographien, Buchbeiträge und Herausgeberschaften, weitere 400 nicht zusätzlich veröffentlichte Vorträge. Als Gutachter und vor Gericht überzeugte er durch brillante Literaturkenntnisse, enormen Sachverstand und Eloquenz.

Unvergessen sind die zahlreichen Demonstrations-Operationen für ausländische Kollegen in Homburg und im Ausland, die vielen engagiert geführten Sitzungsvorsitze, seine Präsidentschaften und Kongress in Baden-Baden (1968), als DGOT-Präsident in Saarbrücken (1974) und als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellende Chirurgie in Homburg (1988).
Vor allem sind erwähnenswert seine besonderen grenzüberschreitenden Beziehungen zur französischen und polnischen Orthopädie, seine aktive Tätigkeit im Freundeskreis der deutschen und polnischen Orthopäden mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Danzig.
Er war im Vorstand und wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer, gehörte der Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer an, war Präsident der AWMF, Wahlsenator der Universität des Saarlandes und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikum, gründete und leitete den Arbeitskreis Osteosynthese in der DGOT und war Mitglied des deutschen und internationalen Normenausschuss für Osteosynthese und Endoprothetik.

Die Lebensleistung von Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz Mittelmeier ist gewaltig, entsprechend zahlreich sind die nationalen und internationalen Ehrungen. Die umfassende Würdigung des Wissenschaftlers und Berufspolitikers, die Würdigung des Menschen und Arztes Heinz Mittelmeier lässt sich unter dem Motto: „Ein Leben für die Orthopädie“ zusammenfassen. Er ist ein Glücksfall für das Saarland, die deutsche Orthopädie und für uns.


Seine dankbaren Schüler, Freunde und
die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
gratulieren ihm herzlich.

Dr. med. Günther Friedrich Finkbeiner       Prof. Dr. med. Bernd Kladny
                                                                    Generalsekretär der DGOOC