Leitlinien

Gemeinsam für eine bessere Versorgung: Auftakt der neuen S3-Leitlinie zu Sprunggelenksfrakturen

Frau mit bandagiertem Sprunggelenk
© motortion / stock.adobe.com

Sprunggelenksfrakturen gehören mit einer jährlichen Inzidenz von 74 bis 187 Fällen pro 100.000 Einwohner zu den häufigsten Skelettverletzungen. Trotz etablierter und routinemäßiger Behandlungsverfahren sind die Ergebnisse in bis zu 40 Prozent der Fälle unbefriedigend; nicht selten entwickelt sich im weiteren Verlauf zeitnah eine posttraumatische Arthrose. Daher wurde unter Federführung der DGOU am UniversitätsCentrum für Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie (OUPC, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden) die Erarbeitung der S3-Leitlinie „Evidenzbasierte Diagnostik und Therapie von Sprunggelenksfrakturen (EviDenTS)“ mit dem Themenschwerpunkt „Geschlechtsspezifische Aspekte“ initiiert. Das offizielle Kick-off-Meeting des Projekts fand am 20. Januar 2026 online statt.

Das Projekt wird über einen Zeitraum von zwei Jahren mit Mitteln aus dem Innovationsfonds vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit rund 400.000 Euro gefördert und von einem interdisziplinären Team aus Unfallchirurgie und Versorgungsforschung durchgeführt. Die Gesamtkoordination übernimmt Prof. Dr. Stefan Rammelt, Leiter des Zentrums für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (OUPC) am Uniklinikum Dresden sowie Präsident der DGOU-Sektion Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (D.A.F.). Wissenschaftlicher Leiter der Studie ist Prof. Dr. Sebastian Baumbach von der LMU München, die als Kooperationspartner fungiert. Die methodische Expertise wird durch die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Dr. Stefanie Deckert, Dr. Cornelia Lützner und Dr. Ivonne Panchyrz des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) an der TU Dresden eingebracht.

Berufsverbände und Fachgesellschaften arbeiten eng zusammen

Für die Leitlinienarbeit konnten Vertreterinnen und Vertreter aus 14 Berufsverbänden und Fachgesellschaften gewonnen werden. Dazu zählen internationale Expertinnen und Experten aus der Fuß- und Sprunggelenkschirurgie (aus der D.A.F., der Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkschirurgie – GFFC, der Österreichischen Gesellschaft für Fusschirurgie – ÖGF und der Swiss Foot and Ankle Society – SFAS) ebenso wie Fachkompetenz aus den Bereichen Geriatrie (Deutsche Gesellschaft für Geriatrie – DGG), geschlechtersensible Medizin (AG Geschlechtersensible Medizin der DGOU), Evidenzbasierte Medizin (AG Evidenzbasierte Medizin der DGOU), Technische Orthopädie (DGOU-Sektion Vereinigung Technische Orthopädie – VTO), Arthroskopie (Deutsche Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie – AGA) sowie Rehabilitation und Physiotherapie (Deutsche Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaft – DGPTW). Die deutsche Sektion der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO Trauma) und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) stellen ebenfalls Fachexperten.

Die bisherige S2e-Leitlinie „Sprungelenkfraktur“ war 2013 abgelaufen und entsprach nicht mehr dem aktuellen Stand von Forschung und Versorgung. Im Rahmen der Leitlinienarbeit sollen daher nun neue Entwicklungen und Erkenntnisse zu Diagnostik, konservativen Therapieverfahren, Operations- und Implantattechniken sowie zur Nachbehandlung von Sprunggelenksfrakturen systematisch aufgearbeitet und in einem interdisziplinären Konsens in praxisrelevante Handlungsempfehlungen überführt werden. 

Neuausrichtung der Leitlinie auf aktuelle Standards

Die neue S3-Leitlinie wird die Behandlung von Sprunggelenksfrakturen in mehreren Kernbereichen adressieren und klinische Fragestellungen unter anderem zu den folgenden Themen formulieren:

  • Fragestellungen zu Diagnostikverfahren: Einsatz der Computertomografie (CT) zur Darstellung der dreidimensionalen Frakturmorphologie, Verzicht auf Stressaufnahmen zugunsten von Röntgenaufnahmen im Stand zur Beurteilung der Stabilität.
  • Fragestellungen zu innovativen OP-Techniken: Nutzen von 3D-CT-Bildwandlern zur Beurteilung der Repositionsqualität, kritische Bewertung verschiedener OP-Zugänge, Einsatz winkelstabiler Implantate bei Osteoporose, Indikation von arthroskopisch-assistierten OP-Techniken.
  • Fragestellungen zur Nachbehandlung: Kritische Beurteilung von Bewegungs- und Belastungseinschränkungen, Stellenwert der postoperativen orthopädietechnischen Versorgung (Stiefel vs. Orthese), Indikation für eine postoperative Stellschraubenentfernung.
  • Patientenzentrierung: Geschlechtssensible Aspekte werden bei allen Recherchen explizit berücksichtigt, da beispielsweise Frauen oft schlechtere Behandlungsergebnisse aufweisen. Eine separate Patientenleitlinie zur Patientenedukation soll die informierte Entscheidungsfindung unterstützen.

Nach Fertigstellung werden die Leitliniendokumente auf der Website der AWMF (AWMF-Reg.-nr. 187-010) sowie dem Leitlinienportal „MAGICapp“ digital verfügbar sein.

Bei Anregungen oder Informationen sowie bei Interesse an einer Mitarbeit steht Ihnen die Leitliniengruppe jederzeit zur Verfügung.

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